Die Erde ist trocken
Heinz Günter Saemann
Die Bäume werfen ihre Blätter ab
Spenden immer weniger Schatten
Wind wirbelt fruchtbares Ackerland auf
Nimmt es mit sich
Vielleicht dorthin
wo Regen fällt
oder in ein Land
in dem es genug Feuchtigkeit gibt
um Früchte zu tragen
Die Natur ist der Spiegel unserer Herzen
Vielleicht nimmt eines Tages
der Wind auch sie mit sich
in ein namenloses Land
in dem die Wüsten sich
in blühende Gärten verwandeln
Dieses Land ist in uns
Lasst uns danach suchen
Sehnsucht
Es ist alles getan
Heinz Günter Saemann
Und dennoch
ist da eine Sehnsucht
Wortlos aus der Tiefe aufsteigend
Nah und doch so fern
Es ist als wolle dies Eine noch getan werden
Dieses Sehnen will leben als Erinnerung
Erinnerung für mich
Eines fernen Tages
wird sie zu mir zurückkehren
als ein Leuchten in dunklen Zeiten
Der Drachenthron
Der Drachenthron ist schon seit Jahren verwaist
Heinz Günter Saemann
Die weisen Herrscher gibt es nicht mehr
Die ganze Welt ist in Unordnung geraten
Ich wünsche mir einen weisen Herrscher
der die Menschen vereint, statt sie zu entzweien
der die Sonne und den Mond wieder auf ihre Bahnen führt
der das sinnlos vergossene Blut beweint
der weiß, was Demut ist und die Samen der Liebe in die Herzen sät
einen Landmann, der über das Keimen der Sprossen wacht
und ihnen Zeit zum Wachsen lässt
Der Drachenthron in meinem Herzen ist immer noch leer
Ist das nicht traurig?
Getragen werden
Eine Blume
Heinz Günter Saemann
auch wenn sie nur für einen Tag blüht
weiß, dass sie für diesen einen Tag
vom Boden des Lebens getragen wird
Selbst die Gräser richten sich auf
voller Würde und Vertrauen in die Schöpfung
Ergreifende Schönheiten
Für einen Augenblick bin ich ihnen ähnlich
vergesse mich selbst
Bin Gras und Blüte
Bäume und Tiere sind Schwestern und Brüder
Mit Wäldern und Gebirgen atme ich
auf Wolkenschiffen reise ich in die Länder des Nirgendwo
mit den Flüssen fließe ich ins Meer des Selbstvergessens
In diesen Augenblicken bin ich euch nahe
Und spüre
dass auch ich vom Boden des Lebens getragen werde
Schüchternheit
Die Welt ist grell und laut geworden
Heinz Günter Saemann
präsentiert sich in Äußerlichkeiten
An allen Ecken ein leeres Geschwätz
Du meine Freundin ziehst dich schüchtern zurück
Bescheiden hast du dich in meinem Herzen verborgen
Leise ganz leise sprichst du zu mir
Deine Tränen sind das Salz auf meiner Haut
Meine Seele schenke mir den Mut schüchtern zu sein
Lasse meine Augen deine Schönheit sehen
und erfülle mich mit nährenden Worten weit ab vom Geschwätz
Lasse mich dich voller Liebe umarmen
nicht laut sondern in einer Schüchternheit die voller Schönheit ist
Bewahre mich vor Besserwisserei
Schenke mir die Gnade des Schweigens
und den Mut des richtigen Handelns
Gedanken unter der alten Kiefer
Die Kindertage sind lange vorbei
Heinz Günter Saemann
Auch die Jugend ist enteilt
Wie schnell doch die Jahre vergehen
Unter der alten Kiefer sitzend
sehe ich die Kraniche westwärts ziehen
Bald werde ich mit ihnen fliegen
einem neuen Sonnenaufgang entgegen





