Eine Blume
Heinz Günter Saemann
auch wenn sie nur für einen Tag blüht
weiß, dass sie für diesen einen Tag
vom Boden des Lebens getragen wird
Selbst die Gräser richten sich auf
voller Würde und Vertrauen in die Schöpfung
Ergreifende Schönheiten
Für einen Augenblick bin ich ihnen ähnlich
vergesse mich selbst
Bin Gras und Blüte
Bäume und Tiere sind Schwestern und Brüder
Mit Wäldern und Gebirgen atme ich
auf Wolkenschiffen reise ich in die Länder des Nirgendwo
mit den Flüssen fließe ich ins Meer des Selbstvergessens
In diesen Augenblicken bin ich euch nahe
Und spüre
dass auch ich vom Boden des Lebens getragen werde
Schüchternheit
Die Welt ist grell und laut geworden
Heinz Günter Saemann
präsentiert sich in Äußerlichkeiten
An allen Ecken ein leeres Geschwätz
Du meine Freundin ziehst dich schüchtern zurück
Bescheiden hast du dich in meinem Herzen verborgen
Leise ganz leise sprichst du zu mir
Deine Tränen sind das Salz auf meiner Haut
Meine Seele schenke mir den Mut schüchtern zu sein
Lasse meine Augen deine Schönheit sehen
und erfülle mich mit nährenden Worten weit ab vom Geschwätz
Lasse mich dich voller Liebe umarmen
nicht laut sondern in einer Schüchternheit die voller Schönheit ist
Bewahre mich vor Besserwisserei
Schenke mir die Gnade des Schweigens
und den Mut des richtigen Handelns
Gedanken unter der alten Kiefer
Die Kindertage sind lange vorbei
Heinz Günter Saemann
Auch die Jugend ist enteilt
Wie schnell doch die Jahre vergehen
Unter der alten Kiefer sitzend
sehe ich die Kraniche westwärts ziehen
Bald werde ich mit ihnen fliegen
einem neuen Sonnenaufgang entgegen
Neugierig
Ich will neugierig sein
Heinz Günter Saemann
auf das was anders ist
Ich will neugierig sein
ohne Türen einzutreten
Ich will neugierig sein
wie eine Blüte die zum Licht strebt
Ich will neugierig sein
ohne zu verletzen
Ich will neugierig sein
wie ein Kind das gerade die Welt entdeckt
Ich will neugierig sein
leise und sacht
Ich will neugierig sein
auf euch und mich
Frühjahrskind
Frühjahrskind
Blütenduft in deinem Haar
Du trägst ihn durch den Sommer
den Herbst und den Winter
Tanzt in der Sonne
freust dich über den bunten Herbst
rennst im Winter den Schneeflocken hinterher
Auch jetzt im Alter
bist du immer noch ein Teil von mir
Früh am Morgen
Früh am Morgen
Heinz Günter Saemann
Das Lied der Amsel
Mein Herz lauscht





