Wenn wir Taijiquan und Qi Gong praktizieren, bewegen wir den Körper in klaren Richtungen: rechts und links, vor und zurück, oben und unten, innen und außen. Wenn diese Richtungen erkannt werden, entsteht Ordnung. Wenn sie mit der Bewegung verbunden werden, entsteht Ganzheit. Im Taijiquan und Qi Gong beginnt Bewegung nicht im Außen, sondern im Innen. Der Geist richtet sich aus. Der Körper folgt. Der Atem verbindet beides.
Aufrichtung im Taijiquan bedeutet, ein lebendiges Gleichgewicht zwischen Himmel und Erde herzustellen. Der Kopf wird leicht angehoben, die Füße geben nach unten nach. Dazwischen kann sich der Körper zugleich ausdehnen und sammeln. Nach oben verbinden wir uns mit dem Himmel, nach unten mit der Erde. Dazwischen entfaltet sich der Mensch. Aufrichtung ist sowohl eine innere wie auch äußere Haltung. Fehlt diese, so kann das Qi, die Lebensenergie, nicht frei fließen. Es entstehen Spannungen und Verhärtungen, Bewegungen werden unklar und schwerfällig, der Mensch verliert an Durchlässigkeit. Kraft muss dann durch Anstrengung ersetzt werden. Was eigentliche getragen sein könnte, muss nun gehalten werden.
Ausrichtung im Taijiquan bedeutet, die eigene Mitte zu finden und sich aus ihr heraus zu bewegen. Die eigene Mitte ist kein Ort, vielmehr ist sie die Qualität von Gegenwärtigkeit und innerer Ordnung. Nichts überwiegt, wir erleben uns in Ausgewogenheit und Zentrierung. Es ist die stimmige und klare Verbindung von Äußerem und Innerem, sodass Bewegung und Energie frei fließen können. Nicht durch Anspannung und Überfokussierung, sondern durch Loslassen des Unwesentlichem.
Wenn wir Taijiquan und Qi Gong praktizieren, erfahren wir, dass innere und äußere Ausrichtung und Aufrichtung eins sind. Was innen klar ist, zeigt sich außen. Was außen ruhig wird, nährt das Innere.
So üben wir nicht nur verschiedene Formen und äußere Bewegungsabläufe, sondern das Aufrichten und Ausrichten von uns selbst, um gestärkt dem Leben zu begegnen. Ganz einfach ausgedrückt: Ausrichtung ordnet; Aufrichtung trägt. Erst wenn beides zusammenkommt, entsteht die Ruhe und Natürlichkeit, die wir im Taijiquan suchen und auch finden.
Johanna Saemann und Heinz Günter Saemann
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