Ich umarme
Johanna Saemann
die letzten Tage des Jahres
Grau und kalt
sind sie jetzt doch geworden
Landschaften zerfallen im Nebel
Mein Inneres zerfällt auch
Und manchmal ist mein Herz so leise
als wäre ich mir selbst verloren gegangen
Und doch
heiße ich es willkommen
weiß ich doch
dass es genau das braucht
um etwas oder jemandem entgegenzuträumen
Bewege dich langsam
Bewege dich langsam
Johanna Saemann
Stehe manchmal still
Lass das drängende
Wollen und Meinen-Müssen
in dir los
In der Stille wirst du visionär
für deinen Herzensweg
für das was deine Seele braucht
Hingabe
Du lebst dich in das Leben hinein
Johanna Saemann
gibst dich hin
wächst an ihm
mit ihm
und schließlich
über es hinaus
Lebst dich aus dem Leben
in die andere Welt hinüber
die da wartet
Das Leben möchte dich lieben
in all seinen Erscheinungsformen
Möchtest du dich hingeben?
Gleichzeitig
Manchmal siehst du
Johanna Saemann
deine Zerbrechlichkeit
der Heftigkeit des Lebens
gegenüberstehen
und du möchtest verzweifeln
In dieser Spannung
liegt gleichzeitig das Versprechen
des Lebens an dich selbst
dir beim Wachsen zu helfen
Die Blätter am Baum
Die Blätter am Baum
Johanna Saemann
färben sich
fallen langsam
sinken
Einzelne erinnern mich
an manch verwaisten Gedanken
des Sommers
Was wäre wenn
Aufbrechen
Johanna Saemann
nochmal neu in dasselbe Leben
Was wäre
wenn du
dich weiter vorwagen würdest
als jemals zuvor
Wenn du dem Zweifel und der Angst
mit Annahme begegnest
und den Schmerz umarmst
Was wäre
wenn du dir selbst
neu und namenlos begegnest
und dich segnen lassen würdest
mit den Wassern dieser Zeit
Wenn statt des Abers
ein Trotzdem stünde





