Du und ich
Johanna Saemann
sind unterwegs
Die Sonne im Gesicht
Rückenwind auf unserem Weg
Hand in Hand
Herz an Herz
vereint
Beiträge
Sei still mein Herz
Liebe Freundinnen und Freunde des Taijiquan!
Ich beobachte einen Schwarm Tauben, der über einem Fluss seine Kreise zieht. Mich fasziniert ihr synchroner Flug. Selbst ihre Flügelschläge scheinen aufeinander abgestimmt zu sein. Ich filme die Szene, um sie mir zu Hause nochmals anzusehen. Die Synchronität im Flug und in ihren Flügelschlägen deckt sich mit meiner Beobachtung. Selbst die leisen Geräusche ihrer Schwingen sind zu hören. Bei meiner Beobachtung war dennoch etwas anders. Dieselben Vögel, dieselben Flugmanöver. Dann fällt mir auf, dass ich vor dem Filmen mit dem Schwarm kommunizierte, seine natürlichen Bewegungen bewunderte. Mein Herz wurde berührt. Geräusche, die meine Ohren nicht hörten, Dinge, die meine Augen nicht sahen, nahm mein Herz wahr.
Ich begreife den Unterschied zwischen analog und digital. Analoge Erfahrungen gehen über reine Sinneswahrnehmungen hinaus: Sie sind real, korrespondierend und natürlich, bereichern unser inneres Erleben. Digitale Signale sprechen unsere äußeren Sinne an: Ihnen fehlt, was nicht mit den Ohren gehört, nicht mit den Augen gesehen werden kann. Das Unhörbare, das nicht Sichtbare, das Unaussprechliche, das Geschmacklose und das nicht Fühlbare bergen die Geheimnisse der Schöpfung.
Beim Praktizieren der Taiji-Formen wird mein Herz still, meine Sinne sind nach innen gerichtet. Eine Bewegung folgt der anderen. Kontinuierlich, im natürlichem Fluss. Ich begebe mich auf eine Reise, von der ich nicht weiß, wo sie endet. Das ist im Grunde genommen auch egal. Ich bin ein Taiji-Wanderer. Im Unterricht kommuniziere ich mit meinen Schülerinnen und Schülern, nehme sie mit dem Herzen wahr. Der Unterricht ist real, analog.
Wir wünschen euch, dass ihr die Augen eurer Herzen immer wieder öffnen könnt und dadurch eure Schönheit und die Schönheit der Schöpfung erkennt.
Heinz Günter Saemann und Johanna Saemann
Morgendämmerung
Morgendämmerung
Heinz Günter Saemann
Stille
Dann plötzlich
das erste Klappern von Töpfen
Wäre ich doch
in den Bergen geblieben
Nur das Zwitschern der Vögel
Was jammere ich
Die Einsamkeit
hätte ich so wie so
nicht ertragen
Ich passe nicht
in die Sandalen
eines Hanshan
Sich verabschieden
Sich verabschieden
Johanna Saemann
von der äußeren Welt
Nach innen gehen
zur Quelle allen Seins
Zum Ursprung
Sich daraus nähren
und sehen
Ich bin gerüstet
für alles
was da kommt
Kinderspiel
Kinderspiel
Heinz Günter Saemann
Nichts wissen die kleinen Racker
von den Sorgen der Erwachsenen
Jede noch so kleine Pfütze
wird zum Meer
Kiesel funkeln wie Edelsteine
oder erheben sich zu riesigen Gebirgen
Eine kleine Münze in ihrer Hand
ist unermesslicher Reichtum
Aufrecht stolzieren sie durch die Straßen
und wundern sich
über die schweren Schritte der Großen
Wieso sich Sorgen machen
wenn das Leben
so viel Reichtum und Schönheit
in unsere Herzen gelegt hat



